Ameisenstraße

Mikrotheater am Wegesrand – zwischen Kunst und Natur
Entdeckungen aus der Perspektive unserer kleinen Tier- und Pflanzenwelt

Konzept / Leitung: Jana Sonnenberg
Zeichnungen: Hermann Einszufuffzig / Müll und Meer
Fotos (wenn nicht anders angegeben): Maren Winter
Trailer: rumor-film.de
Gemeinschaftsproduktion 2024 von Mitgliedern des fredak-MV
Landesverband Freie Darstellende Künste M-V e. V.

Flyer als pdf-Datei herunterladen

Nächste Termine:
14. 09. 25 | 14.00 – 17.00 Uhr – Schlosspark Pansewitz auf Rügen  
03. 10. 25 | 12.00 – 15.00 Uhr – Schlagsdorf an der Kirche


Ein Spaziergang durch die Natur ist sicher erholsam – aber könnte er nicht noch spannender sein, wenn man die vielen kleinen „Wunder“ am Wegesrand ebenfalls wahrnehmen würde?
Die fredak-Mitglieder haben genauer hingeschaut und sozusagen mit der imaginären Lupe künstlerische Theater-Miniaturen daraus entwickelt.

Hier vorne knüpft zum Beispiel eine artistische Kreuzspinne an ihrem Netz, dort lauschen Forscher dem Sound der Ameisen, ein Stückchen weiter werden Pflanzengeschichten erzählt, man kann ein Figurenspiel über den Wiesenknopf-Ameisenbläuling erleben und da hinten leuchtet das Glühwürmchen in einer kleinen Guckkastenbühne …

Eine AMEISENSTRASSE voller Kunst, wo es einen ganzen Tag lang überall etwas zu entdecken gibt, direkt im Park oder im Wald.

Kooperationspartner für die Premiere: Naturpark Insel Usedom

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien,

sowie vom Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten M-V


Aus der Perspektive der kleinen Tier- und Pflanzenwelt in Wiesen und Wäldern sind eine Reihe von leisen, kurzen Performances (je 5 – 15 Min.) entstanden, die mehrmals am Tag gespielt werden und den Zuschauenden Einblicke in die Welten dieser Lebewesen ermöglichen.

Ohne die Natur zu stören, nutzen die Darsteller*innen ihre künstlerischen Mittel, wie Schauspiel, Artistik, Figurentheater, Walkact etc. um einerseits auf Umweltschutz, Wälderschutz und Nachhaltigkeit in M-V und darüber hinaus aufmerksam zu machen,
und andererseits, um soziale Gefüge und menschliche Eigenarten durch die Darstellung von Tier- und Pflanzenwelten mittels Perspektivwechsel zu beleuchten.


Die Kurz-Inszenierungen

Aus diesem Pool kann eine Auswahl von mindestens 7 Performances pro Gastspieltermin passend generiert werden. Die Miniaturen sind außerdem als eigenständige Kurzstücke spielbar, um eine möglichst große Sichtbarkeit zu ermöglichen und die Idee von Umweltschutz mit Mitteln der Kunst weit zu tragen.

Blauschwarze Holzbiene
(Xylocopa violacea)

Die Blauschwarze Holzbiene wurde zur Wildbiene des Jahres 2024 gekürt.
Sie brummt sehr laut, ist aber friedfertig und wird wegen ihrer Größe häufig für eine Hummel gehalten.

Im Gegensatz zur Honigbiene, die Staaten bildet, lebt die Holzbiene allein. Mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen nagt sie Höhlen in halbmorsches Holz, wo sie ihre Brut aufzieht. Dabei bevorzugt sie abgestorbene, sonnenbeschienene Baumstämme aber auch Hausbalken oder Zaunpfähle.

Bei der Futtersuche wendet die Holzbiene einen speziellen Kniff an: Wenn sie trotz ihrer langen Zunge nicht an den Nektar einer  tiefen Blüte gelangt, nagt sie einfach ein Loch in die Blütenwand.


Dargestellt von
Christina Kraft


Kreuzspinne
(Araneus)

Kreuzspinnen gehören zu den Echten Radnetzspinnen.
Ihre Fangnetze legen sie gewöhnlich in den Nächten an. Dabei werden zwischen einem äußeren Rahmensystem diagonal einzelne Fäden gezogen, die sich in der Mitte überschneiden. Von dort aus zieht die Spinne Speichen sowie eine stabilisierende Spirale. Jetzt erst wird der mit Leimtröpfchen versehene Fangfaden hineingewebt.

Die Paarungszeit fällt auf August und September. Ist ein Männchen paarungsbereit, zupft es mit einem bestimmten Rhythmus am Netz des Weibchens, welches ihm dann entgegenkommt. Auf einem so genannten Hochzeitsfaden erfolgt die Übertragung von Samenzellen. Gelegentlich wird das Männchen anschließend vom Weibchen getötet und verspeist.


Artistischer Akt von und mit
Flora Fabula / Pia-Nereida Walczok
und Andreas Schmidt


Glühwürmchen
oder Kleiner Leuchtkäfer
(Lamprohiza splendidula)

Bei Licht betrachtet, sehen Glühwürmchen unspektakulär aus. Spannend wird es in der Dunkelheit, da tanzen auf einmal glühende Pünktchen durch die Sommernacht.

Es sind auch keine Würmer, sondern Käfer, die zur Fortpflanzungszeit am hinteren Teil ihres Körpers durch eine chemische Reaktion leuchten, um sich gegenseitig für die Paarung zu finden. Beide Partner sterben nur wenige Tage danach.

Bis es soweit ist, verbringen sie aber drei Jahre als Larve und ernähren sich von Schnecken, die bis zu 15-mal schwerer sein können als sie selbst. Sie verfolgen ihre Beute auf der Schleimspur, töten sie mit Gift und lassen sich dann viel Zeit, sie zu verspeisen.


Gespielt in einem Guckkasten
für jeweils einen Zuschauer
von Birgit Schuster
Schnuppe Figuren Theater


Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling
(Phengaris nausithous)

Der kleine blaue Schmetterling verfolgt eine ganz besondere Entwicklungs-Strategie.
Seine Raupen ernähren sich zunächst ausschließlich von den Blüten des Großen Wiesenknopfs.
Im Spätsommer lassen sie sich fallen und werden u. a. von Roten Gartenameisen in deren Bau getragen. Dort imitieren sie den Nestgeruch der Ameisen und werden wie deren eigene Brut gepflegt. Derweil fressen sich die Bläulingsraupen an Ameisenlarven satt, überlassen ihren Wirten aber immerhin ein zuckerhaltiges Sekret.
Nachdem sie sicher überwintert haben, verpuppen sie sich.
Sobald sie jedoch geschlüpft sind, müssen sie den Bau so schnell wie möglich verlassen, denn nun funktioniert ihre Tarnung nicht mehr und sie werden von den Ameisen als Beute angesehen.


Figurenspiel von und mit
Stephan Rätsch


Hornisse
(Vespa crabro)

Wer sich vor Wespen fürchtet, müsste sich eigentlich über Hornissen freuen, denn Wespen stehen u. a. auf deren Speisezettel. Ansonsten ist die Hornisse ein friedfertiges Insekt, das nur sticht, wenn es gequetscht wird.

Bei den Hornissen überwintern ausschließlich einzelne weibliche Tiere – die künftigen Königinnen.
Im Frühjahr suchen sie einen regengeschützten Ort für den Nestbau und beginnen nach Fertigstellung einiger Wabenzellen mit der Eiablage. Nach ca. 40 Tagen sind die ersten Arbeiterinnen flugfähig und kümmern sich um den weiteren Bau, um die Pflege der Larven und um Nahrung, die hauptsächlich aus tierischem Material besteht.
Ab August werden auch Drohnen (Männchen) herangezogen, welche die neuen Jungköniginnen befruchten.

Im Oktober ist es für sie alle wieder vorbei – bis auf die künftigen Königinnen.


Erdacht und gespielt von
Cornelia Unrauh /
allerhand theater


Waldmistkäfer
(Anoplotrupes stercorosus)

Weitere Bezeichnungen sind: „Nimmersatt“, „Pillendreher“  oder „Torkelkäfer“.

Waldmistkäfer sind außerordentlich nützlich, weil sie den Kot anderer Tiere verwerten. Sie formen daraus beeindruckend große Kotkugeln und versorgen den Boden mit Nährstoffen.
Ihr Sozialverhalten ist einzigartig unter den Käfern: sie leben in Rudeln, angeführt von einem dominanten Weibchen, das als Königin bezeichnet wird.
Um in der Dunkelheit den richtigen Weg zu finden, orientieren sie sich die Tiere am Licht des Mondes oder an den Sternen. Das haben Wissenschaftler herausgefunden!


Verkörpert vom
Figurentheater Ernst Heiter


Sound der
Ameisen

„Da tönt doch was…!“
Ein Pochen, Knirschen, Klopfen, Klackern und Knarzen, Ticken, Dröhnen und Zirpen.
Es eröffnet sich ein ungehörter Klangkosmos des Erdreiches, wenn die Bodenakustiker des Musiktheaters Cammin mit ihren speziellen Apparaturen die Geräuschsinfonie der Insekten, hier der Ameisen, für so manches erstaunte Ohr hörbar machen.

Besitzt die Ameise selbst keine Hörorgane, so kann sie dennoch die ausgesendeten Schwingungen ihrer Artgenossen über ihren Körper wahrnehmen und verfügt damit über ein zusätzliches Kommunikationsmittel.
…Unerhört!


Erlauscht vom
Musik Theater Cammin


Biozide
Fluch und Segen

Biozide sind dafür gedacht, die Gesundheit und die Produkte des Menschen zu schützen. Das Wort „Biozid“ ist eine Zusammensetzung aus altgriechisch βίος bios (deutsch ‚Leben‘) und lateinisch caedere (deutsch ‚töten‘) – also etwas, das Leben tötet.
Einen anderen Klang hat der Begriff „Pflanzenschutzmittel“. Die entsprechenden Produkte enthalten oft ebenfalls Biozide und sind darauf ausgelegt, unerwünschte Pflanzen oder Schadorganismen zu vernichten.
Heutzutage gefährdet z. B. der Borkenkäfer unsere Fichtenwälder. Die Fichte ist ein einheimischer Baum und in höheren Lagen oft die einzige natürlich gewachsene Art. Trockenheit, steigende Temperaturen und Stürme setzen dem Bestand zu – genau von diesen Bedingungen profitiert der Borkenkäfer.
Um den Wald zu erhalten, muss man den Schädling radikal bekämpfen, am effektivsten mit Gift.

Muss man?
Oder richtet sich diese kurzfristige Lösung
irgendwann gegen uns selbst?

Erkämpft von
Max Howitz


Pflanzengeschichten
(Erzähltheater)

Ein Pflanzenmärchen kennen wir alle: Rapunzel.
Für uns heißen Rapunzeln heute Feldsalat, mundartlich auch Ackersalat, Mausohr, Nüsschen, Schafmäulchen, Sonnewirbele …

Die Pflanzen der Wiesen und Wälder haben ebenfalls Geschichten zu bieten, wahre und phantastische.
Zum Beispiel der Waldmeister – sagt der Name nicht schon, was dahinterstecken könnte?
Oder ist es die Färbekraft der Wurzeln, die Wasser in rosarotes Blut verwandeln können?

Als die Menschen der Natur noch nahe waren, gegen sie kämpfen mussten und um ihre Möglichkeiten wussten, sind viele Geschichten um Pflanzen entstanden.
Welche davon erzählt werden, bestimmt das Publikum immer wieder neu.


Erzählt von
Birte Bernstein / 
Funkenflug Erzählkunst


Mycelium
(Mykorrhiza – Verbindung
zwischen Pilz-Mycel und Baum)

Die Ruhe im Wald täuscht, denn im Boden herrscht eine ständige, betriebsame Kommunikation, die wir weder sehen noch hören können.

Der Transfer geschieht zum großen Teil über Pilze, die im Untergrund ein Geflecht aus kilometerweiten Fäden spinnen.
Das Mycel umwächst und durchdringt die Baumwurzeln. Es liefert Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff. Es schützt den Baum vor Schadstoffen, in dem es sie filtert und in seinen Fruchtkörpern speichert (welche dann in unserem Pilzragout landen).
Außerdem vernetzt es den Baum mit allen anderen und gibt Nachrichten weiter, indem es etwa vor Trockenheit und Schädlingen warnt oder Hinweise zum nächsten Wasservorkommen gibt –
ein unermüdliches wood-wide-web.

Im Gegenzug verlangt das Myzel Zucker aus der Photosynthese des Baumes für sein eigenes Wachstum – und wenn der Baum einst stirbt, nehmen die Pilze ihn ganz.


Erdacht und gespielt vom
Figurentheater Winter

Mycelium - Pjojekt Ameisenstraße - Figurentheater Winter

Europäische Gottesanbeterin
(Mantis religiosa)

Die Europäische Gottesanbeterin stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, ist aber inzwischen immer häufiger in nördlicheren Regionen zu finden und taucht vereinzelt auch in Mecklenburg-Vorpommern auf.
Ihr Gattungsname Mantis stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Seherin“ oder „Wahrsagerin“. Den Artnamen religiosa verdankt die Gottesanbeterin den wie zum Gebet gefalteten Vorderbeinen.

Durch ihre Färbung ist sie zwischen Pflanzen hervorragend getarnt, zudem kann sie stundenlang regungslos verharren, während sie auf fressbare Insekten lauert. Ist die Beute in Reichweite, schleicht sich die Gottesanbeterin im Zeitlupentempo heran, bevor ihre Fangarme blitzschnell zuschlagen.
Auch die eigenen Artgenossen müssen auf der Hut sein, mitunter werden die kleineren Männchen nach der Paarung von den Weibchen verspeist, der sogenannte Sex-Kannibalismus.
Die Eier werden in Schaumpaketen, den Ootheken abgelegt, die nach kurzer Zeit erhärten und die Brut den ganzen Winter hindurch schützen. Die Eltern dagegen sterben im Herbst.


Spiel mit einer Marionette von
Enikő Szász und Gerda Pethke


Bärtierchen & Samtmilbe
(Mikro-Organismen)

Einen großen Teil der Tierwelt, die uns umgibt, nehmen wir nicht wahr. Die Arten sind einfach zu klein. Dabei haben sie zum Teil ganz besondere Fähigkeiten.

Z. B. können die mikroskopisch kleinen Bärtierchen  jahrzehntelang eingefroren überleben und überstehen Hitze von über 100 Grad ebenso, wie die Lebensbedingungen im Weltall. Man findet sie in feuchter Umgebung, zum Beispiel in Wassertropfen an Moos.

Die Larven der Samtmilbe entwickeln sich parasitisch an verschiedenen Insekten wie Schmetterlingen oder Heuschrecken. Aus den Larven entwickeln sich frei bewegliche Nymphen, die am Boden leben. Dort saugen vornehmlich Insekteneier aus, jagen aber auch andere kleine Bodentiere.


Vergrößert und gespielt von
Uwe Albrecht / Puppenstelz


Mopsfledermaus
(Barbastella barbastellus)

Laut meinem Bekannten, dem Fledermausexperten Patrik in Wismar, ist „Barbastella barbastellus“ der Wikinger unter den Fledermäusen … so robust. Trotzdem gilt sie, durch ihre speziellen Lebensraumansprüche die immer mehr zerstört werden, deutschlandweit als vom Aussterben bedroht!
Ihr Name steht ihr sozusagen, abgeleitet vom Mops-Hund, ins Gesicht geschrieben. Geehrt wurde das „Sorgenkind“ von BatLife Europe 2020/21, zur Fledermaus des Jahres!
Sie mag nicht in Städten leben, da sie sehr Lichtempfindlich ist und hat deshalb mehrere Quartiere im Wald, am liebsten im Totholz hinter abstehender Rinde. Da diese sich immer mal wieder verändern, ist sie oft am umziehen.
Lieblingsspeise sind zu 99% Schmetterlinge, genauer Nachtfalter von denen sie bis zu 28% ihres eigenen Körpergewichtes in einer Nacht aufnehmen kann. Am Tage ist sie nicht gerne unterwegs, da sie selbst natürlich ungern Beute für z.B. Greifvögel sein möchte. 


Verkörpert von
Sven Lange / Theater Dramaukles


Hast du schon jemals Moos gesehen?
nicht bloß so im Vorübergehen,
so nebenbei von obenher, so ungefähr –
nein, dicht vor Augen, hingekniet,
wie man sich eine Schrift besieht?
O Wunderschrift! O Zauberzeichen!
Da wächst ein Urwald ohnegleichen
und wuchert wild und wunderbar
im Tannendunkel Jahr für Jahr
mit krausen Fransen, spitzen Hütchen,
mit silbernen Trompetentütchen,
mit wirren Zweigen, krummen Stöckchen,
mit Sammethärchen, Blütenglöckchen,
und wächst so klein und ungesehen –
ein Hümpel Moos …
Gedicht von Siegfried von Vegesack


Verkörpert von
Marta Olejko / amano Theater Musik


Stechmücke

Ohne Mücken gäbe es vielleicht keine Schokolade mehr.
Sie sind klein genug um z. B. in die engen indonesischen Kakaoblüten hineinzukriechen und so weitere Kakaobäume zu bestäuben. Normalerweise ernähren sich Stechmücken nämlich von Nektar.
Umgekehrt sind Fledermäuse, Reptilien, Fische und auch viele unserer Singvögel auf Mücken in ihrem Speiseplan angewiesen, also sollte es möglichst eine Menge davon geben.
Für die Produktion der Eier brauchen die Stechmückenweibchen allerdings Blut. Dafür müssen sie uns oder Säugetiere stechen. Aber der Stechrüssel ist extra dünn, damit wir keinen Schmerz spüren. Das Jucken kommt erst später durch eine allergische Reaktion.
Wir ärgern uns über das typische Summen, dabei ist es gar nicht für uns gedacht, sondern für die Männchen, die sich daran orientieren um ihre Weibchen zu finden.


Verkörpert von
Flora Fabula

Flora Fabula - Projekt Ameisenstraße - fredak MV - Foto: Maren Winter